Handbuch für rassismuskritische Dokumentation veröffentlicht

Die Art, wie wir Kulturgüter beschreiben, ist nie neutral. Jede Objektbeschreibung, jeder Katalogtext trägt dazu bei, wie wir Geschichte verstehen und weitergeben. Diese Erkenntnis hat acht Schweizer Institutionen dazu bewogen, gemeinsam neue Massstäbe zu setzen und ein Handbuch für rassismuskritische Dokumentation zu erarbeiten.

Handbuch für rassismuskritische Dokumentation veröffentlicht

Extrait de la galerie photographique de la Revue suisse des musées: Museum HAARUNDKAMM.

Im September 2022 schlossen sich Fachleute aus den Bereichen Sammlung und Dokumentation zur Arbeitsgruppe «Critical GLAM» (Galleries, Libraries, Archives, Museums) zusammen. Mit dabei sind das Schweizerische Nationalmuseum, das Bernische Historische Museum, das Historische Museum Basel, die Sammlungen und Archive der ETH-Bibliothek, das Kunsthaus Zürich, die Fotostiftung Schweiz, die Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG) sowie das Museum für Kommunikation.

Nach drei Jahren intensiver Zusammenarbeit – auch mit externen Fachexpert:innen – liegt nun das Ergebnis vor: Das Handbuch «Rassismuskritische Dokumentation. Ein Handbuch für GLAM-Institutionen» ist seit November 2025 als Open-Access-Publikation frei zugänglich. (HIER)

Warum jetzt handeln?

Museen und Archive sind mehr als Aufbewahrungsorte. Als physische und symbolische Träger des kulturellen Gedächtnisses haben sie gesellschaftliche Verantwortung. Die Kontextualisierung von Objekten prägt massgeblich, wie Geschichte wahrgenommen und welche Narrative weitergegeben werden.

Eine rassismuskritische Dokumentationspraxis ermöglicht es, diskriminierende Begriffe zu erkennen, koloniale Kontinuitäten offenzulegen und bisher marginalisierte Perspektiven einzubeziehen. Dies ist kein rein theoretisches Unterfangen, sondern eine praktische Notwendigkeit für Institutionen, die ihrer gesellschaftlichen Rolle gerecht werden wollen.

Praxisnah und erweiterbar

Das Handbuch richtet sich primär an Personen in der Dokumentation und wissenschaftlichen Erschliessung, ist aber für alle Mitarbeitenden von Kultureinrichtungen relevant. Es bietet konkrete Handlungsempfehlungen, ein Online-Glossar, Hintergrundinformationen und alternative Formulierungsvorschläge.

Die erste Version fokussiert auf koloniale Formen von Rassismus mit besonderem Schwerpunkt auf Anti-Schwarzem-Rassismus. Dieser Fokus ergibt sich aus der aktuellen Auseinandersetzung der beteiligten Institutionen mit ihren eigenen Sammlungs- und Archivbeständen, insbesondere mit Objekten kolonialer Herkunft.

Eine Einladung zur Mitgestaltung

Die Arbeitsgruppe versteht das Handbuch ausdrücklich als lebendiges Instrument. Die digitale Plattform bietet Raum für künftige Weiterentwicklungen und thematische Erweiterungen. Institutionen und Fachpersonen sind eingeladen, sich aktiv an der Fortschreibung zu beteiligen und neue Schwerpunkte einzubringen – sei es zu anderen Diskriminierungsformen oder zu spezifischen Sammlungskontexten.

Rückmeldungen zur Publikation und zur Plattform sind willkommen und sollen in kommende Versionen einfliessen. Dies macht das Handbuch zu einem kollaborativen Projekt, das mit der Community wächst.

Der Anfang ist gemacht

«Das vorliegende Handbuch ist ein Versuch, die Dokumentationspraxis in GLAM-Institutionen inklusiver und antirassistisch zu gestalten», so die Arbeitsgruppe. Vernetzung und Austausch seien entscheidend, um ins Handeln zu kommen. Das Handbuch soll dabei nicht nur unmittelbare Hilfestellung bieten, sondern auch Wegbereiter für weitere Initiativen sein.

Für Institutionen, die sich auf den Weg machen wollen, ihre Dokumentationspraxis kritisch zu hinterfragen und inklusiver zu gestalten, bietet diese Publikation einen fundierten Einstieg. Sie zeigt: Veränderung ist möglich, wenn Institutionen zusammenarbeiten und ihre Erfahrungen teilen.