Rot – Meisterwerke der chinesischen Lackkunst

28. August 2026 - 31. Januar 2027 Museum Rietberg, Zürich

Lack fasziniert. Er schützt, bewahrt und veredelt und entfaltet dabei eine unverwechselbare ästhetische Kraft. Seine weich schimmernde, seidige Oberfläche wirkt zugleich ruhig und intensiv. In China wurde dieses Material früh zur Kunstform erhoben. Über Jahrtausende hinweg entstanden Werke von ausserordentlicher Raffinesse, in denen handwerkliche Perfektion und kulturelle Bedeutung untrennbar miteinander verbunden sind.

Die Ausstellung „Rot – Meisterwerke der chinesischen Lackkunst” im Museum Rietberg lädt dazu ein, in diese Welt einzutauchen. Sie versammelt herausragende Objekte, die nicht nur durch ihre technische Meisterschaft beeindrucken, sondern auch durch ihre vielschichtige Symbolik. Blumen und Vögel stehen für Harmonie und Schönheit, Drachen und Phönix für Macht und Glück. Auch Fledermäuse und Insekten tragen Wünsche und Glücksbotschaften. In diesen Bildern entfaltet sich die reiche Vorstellungswelt der chinesischen Kultur.

In Zusammenarbeit mit dem LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster.

Rot – Meisterwerke der chinesischen Lackkunst

Dose mit Drachen, Qing-Dynastie, 18. Jh., Schnitzlack, Museum Rietberg

Material und Farbe

Die Besonderheit dieser Kunst liegt im Material selbst. Natürlicher Lack wurde aus dem Saft des Lackbaums gewonnen, in einem aufwändigen Verfahren und in geringen Mengen. Im alten China galt er daher als ebenso kostbar wie Gold und Silber.

Gleichzeitig prägte das Material die Ästhetik. Da sich Lack nur mit wenigen Pigmenten färben lässt, entstand eine charakteristische Farbwelt. Das leuchtende Zinnoberrot und das tiefe Schwarz stehen bis heute für Glück, Freude und Würde und bestimmen die Wirkung der Werke bis in die Gegenwart.

Meisterschaft und Verwandlung

Die Geschichte der Lackkunst reicht über 6000 Jahre zurück. Frühe Beispiele stammen oft aus Gräbern des 1. Jahrtausends vor Christus. Särge, Gefässe und Figuren wurden mit fili-granen Mustern verziert, die eng mit rituellen und gesellschaftlichen Vorstellungen verbunden waren.

In der Song-Dynastie wurde Zurückhaltung zum künstlerischen Ideal ein. Klare Formen und monochrome Oberflächen prägten nun die Ästhetik. Teller und Schalen entstanden in einem meditativen Prozess, bei dem der Lack Schicht für Schicht aufgetragen, geschliffen und poliert wurde. Diese Werke strahlen Ruhe und Vollkommenheit aus und lenken den Blick auf das Wesentliche.

Ab dem 13. Jahrhundert gewann die Kunst an virtuoser Ausdruckskraft. Dicke Lackschichten wurden aufgebaut und anschließend fein geschnitzt. Häufig bestand ein Objekt aus über hundert Lagen, deren Herstellung mehr als ein Jahr dauern konnte. Besonders eindrucksvoll sind Arbeiten, in denen mehrere Farbschichten bewusst in die Gestaltung einbezogen wurden und eine eindringliche Tiefenwirkung erzeugen.

Im 15. Jahrhundert erreichte die gestalterische Vielfalt einen neuen Höhepunkt. Neben Malerei und Schnitzkunst kamen kostbare Einlagen hinzu. Gold, Mineralfarben und schimmerndes Perlmutt erweiterten das künstlerische Spektrum. Aus tausenden fein gearbeiteten Muschelstücken entstanden detailreiche Bildwelten von grosser Lebendigkeit – von zarten Blüten über weite Landschaften bis zu bewegten Szenen voller Symbolkraft.

Eine Kunst von Welt

Chinesische Lackkunst blieb nicht auf ihre Herkunftsregion beschränkt. Entlang der Handelswege gelangten die kostbaren Objekte schon früh nach Zentralasien und Europa. Spätestens ab dem 17. Jahrhundert wurden sie auch im Westen geschätzt und als Luxusgüter gesammelt. So trugen sie die Bildwelten und Vorstellungen Chinas weit in die Welt hinaus.

Die Ausstellung Rot – Meisterwerke der chinesischen Lackkunst im Museum Rietberg eröffnet einen vielschichtigen Zugang zu dieser traditionsreichen Kunst. Sie macht Lack erfahrbar als Material, als handwerkliche Meisterleistung und als Träger kultureller Bedeutung und lädt dazu ein, seine Schönheit, Präzision und Symbolkraft neu zu entdecken.