Rot – Meisterwerke der chinesischen Lackkunst
Lack fasziniert. Er schützt, bewahrt und veredelt und entfaltet dabei eine unverwechselbare ästhetische Kraft. Seine weich schimmernde, seidige Oberfläche wirkt zugleich ruhig und intensiv. In China wurde dieses Material früh zur Kunstform erhoben. Über Jahrtausende hinweg entstanden Werke von ausserordentlicher Raffinesse, in denen handwerkliche Perfektion und kulturelle Bedeutung untrennbar miteinander verbunden sind.
Die Ausstellung „Rot – Meisterwerke der chinesischen Lackkunst” im Museum Rietberg lädt dazu ein, in diese Welt einzutauchen. Sie versammelt herausragende Objekte, die nicht nur durch ihre technische Meisterschaft beeindrucken, sondern auch durch ihre vielschichtige Symbolik. Blumen und Vögel stehen für Harmonie und Schönheit, Drachen und Phönix für Macht und Glück. Auch Fledermäuse und Insekten tragen Wünsche und Glücksbotschaften. In diesen Bildern entfaltet sich die reiche Vorstellungswelt der chinesischen Kultur.
In Zusammenarbeit mit dem LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster.
Dose mit Drachen, Qing-Dynastie, 18. Jh., Schnitzlack, Museum Rietberg
Material und Farbe
Gleichzeitig prägte das Material die Ästhetik. Da sich Lack nur mit wenigen Pigmenten färben lässt, entstand eine charakteristische Farbwelt. Das leuchtende Zinnoberrot und das tiefe Schwarz stehen bis heute für Glück, Freude und Würde und bestimmen die Wirkung der Werke bis in die Gegenwart.
Meisterschaft und Verwandlung
In der Song-Dynastie wurde Zurückhaltung zum künstlerischen Ideal ein. Klare Formen und monochrome Oberflächen prägten nun die Ästhetik. Teller und Schalen entstanden in einem meditativen Prozess, bei dem der Lack Schicht für Schicht aufgetragen, geschliffen und poliert wurde. Diese Werke strahlen Ruhe und Vollkommenheit aus und lenken den Blick auf das Wesentliche.
Ab dem 13. Jahrhundert gewann die Kunst an virtuoser Ausdruckskraft. Dicke Lackschichten wurden aufgebaut und anschließend fein geschnitzt. Häufig bestand ein Objekt aus über hundert Lagen, deren Herstellung mehr als ein Jahr dauern konnte. Besonders eindrucksvoll sind Arbeiten, in denen mehrere Farbschichten bewusst in die Gestaltung einbezogen wurden und eine eindringliche Tiefenwirkung erzeugen.
Im 15. Jahrhundert erreichte die gestalterische Vielfalt einen neuen Höhepunkt. Neben Malerei und Schnitzkunst kamen kostbare Einlagen hinzu. Gold, Mineralfarben und schimmerndes Perlmutt erweiterten das künstlerische Spektrum. Aus tausenden fein gearbeiteten Muschelstücken entstanden detailreiche Bildwelten von grosser Lebendigkeit – von zarten Blüten über weite Landschaften bis zu bewegten Szenen voller Symbolkraft.
Eine Kunst von Welt
Die Ausstellung Rot – Meisterwerke der chinesischen Lackkunst im Museum Rietberg eröffnet einen vielschichtigen Zugang zu dieser traditionsreichen Kunst. Sie macht Lack erfahrbar als Material, als handwerkliche Meisterleistung und als Träger kultureller Bedeutung und lädt dazu ein, seine Schönheit, Präzision und Symbolkraft neu zu entdecken.