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Lebendige Traditionen im Museum

Lebendige Traditionen sind das immaterielle kulturelle Erbe. Das Immaterielle zu visualisieren, stellt für Museen keine grundsätzlich neue Aufgabe dar. Das Ausstellen und Vermitteln lebendiger Traditionen bedeutet jedoch, neue Schwerpunkte zu setzen und erfordert, verschiedene Perspektiven einzunehmen: die des Museums, die der Ausübenden einer Tradition und die des Publikums.

Lebendige Traditionen © Ortsmuseum Zollikon
© Ortsmuseum Zollikon

Die Bedeutung lebendiger Traditionen unterstrich die Schweiz mit dem 2008 erfolgten Beitritt zum UNESCO-Übereinkommen zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes. 2012 veröffentlichten das Bundesamt für Kultur (BAK) und die kantonalen Kulturstellen die Liste der lebendigen Traditionen der Schweiz, welche 2018 aktualisiert und durch zahlreiche Ton-, Bild- und Filmdokumente ergänzt wurde. Seit September 2020 ist die Schweiz Mitglied des Zwischenstaatlichen Komitees der UNESCO für die Bewahrung des immateriellen Kulturerbes.

Das immaterielle Kulturerbe wird auch im musealen Kontext immer wichtiger. Ausstellungen über lebendige Traditionen erfordern eine besondere Handhabung in der Ausstellung, Vermittlung und Dokumentation. Diese Aspekte werden in der VMS-Publikation «Lebendige Traditionen im Museum» thematisiert. Die in der Publikation vorgestellten Ausstellungen, bezeugen zudem das kreative und gegenwartsbezogene Potenzial der Thematik. In der Publikation «Lebendige Traditionen ausstellen» wird untersucht, wie lebendige Traditionen in Ausstellungen einer breiten Öffentlichkeit vermittelt werden können. Wie Museen mit dem immateriellen Kulturerbe umgehen, untersuchte das europäische «Intangible Cultural Heritage and Museums Project» (IMP) umfassend. Das IMP, an dem sich auch der VMS beteiligte, ging an diversen Tagungen mit Fachleuten, Museumsvertretern und Ausübenden lebendiger Traditionen von 2017 bis 2020 u.a. folgenden Fragen nach: Wie kann die Dynamik von lebendigen Traditionen bewahrt werden? Wie gestaltet sich eine sensible Zusammenarbeit mit den Praktizierenden? Das aus den Tagungen entstandene IMP-Guidebook und die Toolkit-Sammlung führen die wichtigsten Erkenntnisse, Empfehlungen und viele gute Umsetzungsbeispiele auf.

Ab 2022 wird das BAK Fördergelder für Projekte zum Umgang mit dem immateriellen Kulturerbe ausschreiben. VMS und ICOM Schweiz lancieren daher mit Unterstützung des BAK und der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte zunächst eine Pilottagung und ab Frühjahr 2022 diverse ICOM-Kurse, um interessierte Museen auf eine Antragsstellung vorzubereiten und das lebendige Kulturerbe stärker in der Museumslandschaft zu verankern.

Informationen

VMS-Publikation «Lebendige Traditionen im Museum»
Publikation Bundesamt für Kultur, VMS, Museum für Kommunikation, Alpines Museum der Schweiz «Lebendige Traditionen ausstellen»
Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz
Bundesamt für Kultur, Immaterielles Kulturerbe
Guidebook IMP (E)
Zusammenfassung des Guidebooks (D)
Toolkit (E)
Nachhaltigkeitskompass
Webseite des IMP-Projekts