Chronik

Die Rubrik gibt einen umfassenden und vielfältigen Überblick über Neuerungen und Veränderungen in der Schweizer Museumslandschaft.

Wieder eröffnet die Chronik feierlich mit Jubiläen: 2021 jährt sich die Internierung der Bourbaki-Armee zum 150. Mal und vor 140 Jahren wurde das Panorama zu diesem Ereignis gefertigt. Dieses Jubiläum würdigt das Museum Bourbaki mit der Ausstellung «Über Grenzen». Doppelt feiern darf die Fribourger Kunsthalle Fri Art: 40 Jahre Ausstellungstätigkeit, davon 30 Jahre am heutigen Standort. Ein Jubiläum genau dazwischen zelebriert das Museum Haus Konstruktiv: Vor 35 Jahren feierte es Eröffnung. Vor 25 Jahren wiederum wurde das Migros Museum für Gegenwartskunst in Betrieb genommen und seit zwei Dekaden repräsentiert der Verein der Museen im Kanton Bern mmBE die vielfältige Berner Museumslandschaft. Ebenso lange ist es her, dass der Bildhauer Erwin Rehmann mit einem Museum gewürdigt wurde, das ihm nun anlässlich seines 100. Geburtstags eine Retrospektive widmet.

Auf die Jubiläen folgen die Auszeichnungen: Im Rahmen des EMYA 2020/2021 wurden gleich zwei Schweizer Museen geehrt. Das Walserhaus in Bosco Gurin wird mit dem Meyvaert Award 2021 für Nachhaltigkeit ausgezeichnet. Den begehrten Europäischen Museumspreis (EMYA) 2020 erhält das Stapferhaus Lenzburg – in der Begründung heisst es: Das Museum stellt schwierige Fragen, fördert die Kultur der Debatte und verfügt über eine innovative, kreative und zukunftsgerichtete Herangehensweise an die Vermittlung von Themen. Der Prix Museum der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz wurde dem Naturmuseum Thurgau verliehen. Hier schreibt die Jury: Das Museum zeichnet sich durch Innovation, Originalität und konstante Qualität aus – in der Wissensvermittlung wie in der Forschung.

Auch 2021 gibt es zahlreiche personelle Rochaden in der Schweizer Museumslandschaft zu vermelden: So ist Patrick Gyger seit Anfang Jahr Generaldirektor des Lausanner Museumsareals Plateforme 10. Das Museo di Valmaggia hat mit Larissa Foletta eine neue Kuratorin und Leiterin – sie übernimmt von Alice Jacot-Descombes. Auch das Schweizerische Nationalmuseum hat seit dem Frühjahr eine neue Direktion: Denise Tonella hat das Amt von Andreas Spillmann übernommen. Seit März leitet Monika Sigrist das Richard Wagner Museum. Sie übernimmt damit die Stelle von Katja Fleischer, die nach 17-jährigem Engagement das Museum verlassen hat. Arnaud Maeder ist seit Mai der neue Direktor des Muséum d’histoire naturelle und des Musée d’histoire des sciences de Genève, wie das Kulturdepartement in einer Pressemitteilung vermeldete. Er folgt auf Jacques Ayer, der zurückgetreten ist. Nach 20 Jahren als Direktorin des Weinmuseums Sierre-Salgesch übergibt Anne-Dominique Zufferey die Leitung an Delphine Niederberger. Katrin Steffen folgt auf Christoph Vögele: Die Kunsthistorikerin leitet neu die Geschicke des Kunstmuseums Solothurn. Katharina Beisiegel ist die neue Direktorin des Kirchner Museums in Davos, während Pia Lädrach die Leitung des Schulmuseums Bern abgibt, um neu die Führung des Kindermuseums Creaviva im Zentrum Paul Klee von Urs Rietmann zu übernehmen. Eva Bigler ist die neue künstlerische Leiterin am Kunsthaus Zofingen. Der Glarner Kunstverein begrüsst Melanie Ohnemus als neue Direktorin des Kunsthauses Glarus. Camilla Minini wurde auf den Sommer als neue Leiterin des Museums Engiadinais in St. Moritz gewählt und übernimmt die Leitung von Charlotte Schütt, die in den Ruhestand tritt. Dasselbe gilt für Cornelia Pedretti vom Segantini Museum in St. Moritz, deren Nachfolgerin Claudia Stoian ist. Ebenfalls pensioniert wurde Véronique Rey-Vodoz, seit Herbst leitet ihr Nachfolger Jordan Anastassov das Römische Museum in Nyon. Marco Sigg tritt Ende 2021 als Direktor des Museums Burg Zug zurück, um sich neuen beruflichen Herausforderungen zu stellen, und wird von Walter Bersorger abgelöst. Das Historische und Völkerkundemuseum St. Gallen hat mit Peter Fux einen neuen Direktor – er löst Daniel Studer ab, der in Pension geht. In den Ruhestand verabschiedet hat sich diesen Sommer auch die Direktorin des Musée gruérien in Bulle, Isabelle Raboud-Schüle. Ihre Nachfolge tritt Serge Rossier an. Dem VMS wird Raboud-Schüle als Präsidentin noch bis im kommenden Sommer erhalten bleiben.

Zu den Umbauten und Neueröffnungen: Das Musée de Saint-Imier öffnet nach vier Jahren renovationsbedingter Schliessung seine Türen wieder mit den beiden Dauerausstellungen «En quête d’une identité» und «L’espace des troupes jurassiennes». Im Juni eröffnet das MUKS – Museum Kultur & Spiel als Familienmuseum zum Mitmachen und ersetzt das einstige Spielzeugmuseum in Riehen. Das Kunsthaus Zürich hat seinen von David Chipperfield Architects gestalteten Erweite-rungsbaueröffnet und wird damit zum grössten Kunstmuseum der Schweiz. Das Palais de Rumine in Lausanne wird in den Palais des savoirs umgewandelt – dieser wird das neue kantonale Museum für Naturwissenschaften beherbergen. Das ehemalige Gebäude des Musée de l’Élysée ist der neue Ort für die Verwaltungsdienste. Vorübergehend geschlossen bleibt das Henry-Dunant-Museum in Heiden: Es wird umgebaut und eine neue Kernausstellung geplant. Weiterhin geöffnet aber bleibt das nur fünf Gehminuten entfernte Dunant Plaza. Einblick in die bewegte Vergangenheit des Zisterzienserinnenklosters und die über 125-jährige Pflegegeschichte bietet neu das im August eröffnete Museum Gnadenthal. Schliesslich hat der Gletschergarten Luzern seine Felsenwelt eröffnet.

Diverses zum Schluss: Das Musée de l’aviation militaire de Payerne hat im Frühjahr einen neuen F/A-18-Simulator mit 180°-Pro-jektion in Betrieb genommen. Und: Gelegentlich darf in einigen Museen auch abends gestaunt werden – im Rahmen der Museumsnächte luden in Bern, Schwyz, St. Gallen, Lausanne, Zürich, im Wallis und im Jura die Museen zum unterhaltsamen Besuch zu später Stunde.