Die Realität des Virtuellen

Welche digitalen Technologien nutzten Schweizer Museen, um ihre Arbeit trotz Lockdown weiterzuführen? Welche Lehren ziehen sie aus dieser Erfahrung und wie wollen sie diese in Zukunft umsetzen? Die Wechselwirkungen von physisch und virtuell dürften die Museen auch in Zukunft beschäftigen.

Die Corona-Pandemie und die Hygienemassnahmen, die sie insbesondere im Frühling 2020 zur Folge hatte, lösten in vielen Lebensbereichen einen regelrechten Digitalisierungsschub aus. Auch in der Museumswelt beschleunigte sich die digitale Transformation rasant und es zeichnet sich ab, dass sie irreversibel sein wird. Was während des ersten Lockdowns begann, setzt sich auch nach der Wiedereröffnung fort: Die Institutionen verstärken ihre digitale Präsenz in der Öffentlichkeit, digitalisieren ihre Sammlungen, experimentieren mit neuen Formaten der Vermittlung und nutzen vermehrt digitale Kommunikationskanäle.

Dabei entdecken die Museen neue Möglichkeiten, ihre Sammlungen in Wert zu setzen und neue Publikumssegmente anzusprechen. Sie stossen aber auch an Grenzen: Beschränkte Mittel, fehlende Erfahrung und technische Hürden stellten sie vor grosse Herausforderungen. Das Bedürfnis, voneinander zu lernen, ist ausgeprägter denn je. Das Thema «Real und digital – Strategien für die Zukunft des Museums» prägte denn auch den Jahreskongress 2021 des Verbands der Museen der Schweiz VMS und des Schweizer Verbands der Museumsfachleute ICOM.

Notgedrungen, aber auch folgerichtig fand die Veranstaltung am 26. und 27. August 2021 als Zoom-Konferenz statt: Die Teilnehmenden sinnierten nicht nur über die digitale Vermittlung von Inhalten, sondern praktizierten diese auch. Der Spannung und dem Erkenntnisgewinn tat dies keinen Abbruch, im Gegenteil. In vielfältigen Formaten – Referaten, Break-out- und Wrap-up-Sessions, Diskussionsrunden und Präsentationen – kamen brisante Fragen zur Sprache: Welchen Stellenwert hat das Original, wenn man es nicht physisch zeigt? Wird sein Wert relativiert oder tragen digitale Kopien und enhanced reality vielmehr dazu bei, einzigartige Originale zu schützen? Wie nutzt man digitale Tools, um Partizipation zu ermöglichen? Welchen Mehrwert generieren digitale Strategien in Vermittlung, Forschung, Archivierung und Konservierung? Welche rechtlichen Aspekte gilt es dabei zu beachten? Mehrheitlich akzeptiert schien die Erkenntnis, dass hybride Formate, die die Vorteile von digitalen und physischen Formaten verbinden, in Zukunft an Bedeutung gewinnen werden. Für ihre konkrete Umsetzung gibt es indes keine allgemein gültige Strategie. Es bleibt also noch viel zu tun.

Judit Solt, dipl. Arch. ETH SIA, Fachjournalistin BR