Chronik

Die Rubrik gibt einen umfassenden und vielfältigen Überblick über Neuerungen und Veränderungen in der Schweizer Museumslandschaft.

Seit der letzten Chronik hat sich einiges getan. Zum Einstieg ein Überblick über die zahlreichen Feierlichkeiten – es folgen Jubiläen, Auszeichnungen und Rekorde. Das Liechtensteinische Landesmuseum feierte 2019 mit der Sonderausstellung «1719–300 Jahre Fürstentum Liechtenstein» das runde Jubiläum des Fürstentums. Bereits halb so alt ist der Wildnispark Zürich Langenberg: Am 11. Dezember 1869 wurde der älteste Tierpark der Schweiz auf dem Langenberg eröffnet. Das Jahr 2018 war für das Museum der Kulturen Basel speziell: Es feierte 125 Jahre und liess die Bevölkerung eine Ausstellung mitgestalten. Rund 200 Personen durften in den sonst verschlossenen Depots Objekte aussuchen. In einer Online-Abstimmung wurden die 125 Favoriten erkoren, die dann in der Ausstellung «Wünsch dir was» zu sehen waren. Das Bündner Kunstmuseum in Chur konnte 2019 bereits auf 100 Jahre zurückblicken, das 200-Jahr- Jubiläum feierte das Kunstmuseum Luzern dieses Jahr mit der bedeutendsten Ausstellung seiner Geschichte: «Turner. Das Meer und die Alpen.» Turners Begeisterung für die Zentralschweiz war ebenso gross wie seine Reiselust. Seinen Spuren folgt auch das neue Online-Vermittlungsformat (turner2019.ch). Jüngere Jubiläen konnte das Museum Aargau begehen: Das zehnjährige Bestehen des Freiwilligen-Programms mit über 100 Freiwilligen wurde mit einem Fest auf Schloss Hallwyl gefeiert. Ebenfalls zehn Jahre alt wurde der Legionärspfad Vindonissa, was mit einem römischen Festessen gewürdigt wurde. Und das Kunsthaus Grenchen blickte mit einer Feier auf die zehn Jahre zurückliegende Eröffnung des grosszügigen Erweiterungsbaus der historischen Villa Girard aus dem 19. Jahrhundert zurück.

Das Forum Würth Rorschach, das 2013 seine Tore öffnete, zeigt in Wechselausstellungen Werke der modernen und zeitgenössischen Kunst aus der umfangreichen Sammlung Würth. Bereits fünf Jahre nach der Eröffnung konnte es seinen 300’000sten Besucher begrüssen. Auch das Kunsthaus Zug markierte 2018 einen Besucherrekord – über 20’000 Personen besuchten die Ausstellungen. Zum dritten Mal in Folge rund doppelt so viel Publikum wie in den Jahren zuvor verzeichnete 2018 das Museum Langmatt mit knapp 14’000 Besucherinnen und Besuchern. 2019 erreichte das Museum Haus Konstruktiv mit der Gruppenausstellung «Konkrete Gegenwart» rekordreiche Eintritte und Medienresonanz. Und mit 104’703 Eintritten verzeichnete das Museum für Kommunikation in Bern vergangenes Jahr einen Besucherrekord – erstmals in seiner 111-jährigen Geschichte sind in einem Kalenderjahr mehr als 100’000 Gäste im Haus gewesen. Zusätzlich wurde die Institution 2019 mit mehreren Auszeichnungen geehrt: In Strasbourg durfte es für seine neue Kernausstellung den diesjährigen «Council of Europe Museum Prize» in Empfang nehmen, in Hamburg erhielt die Ausstellung «Sounds of Silence» den «International Sound Award» in der Kategorie Soundscapes and Ambient Sound, und das Plakat für ebendiese Ausstellung wurde in die Auswahl «100 beste Plakate» des Jahres 2019 aufgenommen. Das Engadiner Museum wurde für den «European Museum of the Year Award» EMYA nominiert. Gewonnen hat diesen schliesslich das niederländische Rijksmuseum Boerhaave in Leiden, für die Nominierung erhielt das Engadiner Museum ein Zertifikat. Mit dem Label «Kultur inklusiv», das für eine ganzheitliche inklusive Haltung steht, wurden 2016–2019 ganze 24 Museen ausgezeichnet (kultur.inklusiv.ch).

Vielerorts wurde umgebaut, erweitert und (wieder-) eröffnet: Bereits seit März 2018 erstrahlt das denkmalgeschützte Stammhaus des Museums für Gestaltung Zürich aus den 1930er-Jahren von Adolf Steger und Karl Egender frisch renoviert und in neuem Glanz. Das Haus übernahm zudem im Mai 2019 die inhaltliche und betriebliche Verantwortung für den Pavillon Le Corbusier im Zürcher Seefeld. Im September 2018 feierte das Museum Burghalde in Lenzburg nach rund eineinhalb Jahren Bauzeit Wiedereröffnung. Die Liegenschaft aus dem Jahr 1628 wurde vollständig saniert und den modernen Bedürfnissen angepasst, das Museum erhielt im Zuge des Umbaus zusätzliche Flächen für eine filmische Einführung und ein Atelier. Zum Jahresende 2018 öffnete das komplett neu gestaltete Postmuseum Liechtenstein seine Tore wieder. Seit 2019 wird das Publikum im Zoologischen Museum der Universität Zürich nicht mehr vom Riesenfaultier «Meggie» begrüsst – sondern neu von einem Einhorn und dem Eckzahn eines Narwals, dem ältesten Museumsobjekt (1677 erworben). Im Frühjahr 2019 wurde das Museo Casorella wiedereröffnet, das die Dauerausstellungen der Stadt Locarno präsentiert. Zudem wurde das Mili Weber Haus in St. Moritz renoviert und restauriert: Zwei Zimmer werden nun mit Fokus auf die renommierten Geschwister von Mili Weber – die Blumenmalerin Anna Haller, den Architekten Emil Weber und den Bildhauer Otto Weber – neu inszeniert. Die Neueröffnung des Muzeum Susch erhielt grosse Resonanz in den Medien – Architektur und Ausstellungen des Kunstmuseums sorgten für Begeisterung. Nach einer halbjährigen Umbaupause hat das Seemuseum Kreuzlingen Ende Juni 2019 rollstuhlgängig wiedereröffnet, im August wurde im Kunsthaus Zürich die Eingangshalle nach einem längeren Umbau wiedereröffnet. Anfang Oktober eröffnete das Museumsquartier Plateforme 10 in Lausanne, das künftig die Museen Musée cantonal des Beaux-arts (MCBA), das Musée de l’Elysée und das Musée de design et d'arts appliqués contemporains mudac beherbergen wird.

Auch beim Personal gibt es einige Wechsel zu verkünden: Bereits seit September 2017 hat das Zoologische Museum der Universität Zürich mit der Biologin Isabel Klusman eine neue Leitung. Einen Monat später übernahm die Ökonomin Sibylla Degiacomi die Leitung des Museums Mili Weber Haus in St. Moritz. Die Militärhistorische Stiftung des Kantons Zug (MHSZ) besetzte 2018 drei Positionen neu – das Präsidium mit René Wicky, für das Sponsoring ist nun Patrick Mollet zuständig und Manuel Hunziker für die Kommunikation. Ebenfalls seit 2018 hat die Zuger Kunstgesellschaft einen neuen Präsidenten: Richard T. Meier übergab den Präsidiumsstab altershalber an das langjährige Vorstandsmitglied, den Ökonomen Reto Fetz. An der GV 2019 wurde zudem der Vorstand mit der Kunsthistorikerin und Mittelalterarchäologin Brigitte Moser, Silvia Graemiger, Unternehmerin, und Thomas Stoltz, Rechtsanwalt und Notar, erweitert. Mit Thomas Stoltz hat die Stiftung der Freunde Kunsthaus Zug einen neuen Stiftungsratspräsidenten. Die Stiftung zur Förderung des Verkehrshauses hat seit Mai 2019 mit Peter Krummenacher einen neuen Geschäftsführer, auch der Strauhof stellt sich neu auf: Rémi Jaccard, bisheriger Co-Leiter, übernimmt die Leitung mit Philip Sippel als stellvertretendem Leiter und Kathrin Egolf als kuratorischer Assistenz. Die bisherige Co-Leiterin Gesa Schneider wechselt in den Vorstand. Ebenfalls einen Wechsel in der Geschäftsleitung erfährt das Kunstmuseum Basel: Neu wird dieses von einem aus fünf Personen bestehenden Gremium geführt – dies als Resultat einer Evaluation, die im Frühjahr 2018 durchgeführt wurde. Dieses Gremium besteht aus der Direktion und Vertretern aus den vier eigenständigen Geschäftsbereichen: Josef Helfenstein (Direktor), Anita Haldemann (Kunst & Wissenschaft), Werner Müller (Art Care), Matthias Schwarz (Finanzen & Operations) und Mirjam Baitsch (Marketing & Development). Im November 2019 tritt Annette Bhagwati die Stelle der Direktorin des Museum Rietberg an, ihr Vorgänger Albert Lutz wird pensioniert. Ebenfalls per Anfang November übernimmt Marc-Olivier Wahler die Leitung des Musée d’art et d’histoire MAH de Genève von Jean-Yves Marin. Auch das Musée d’art et d’histoire Fribourg MAHF kündigt einen Direktionswechsel an: Anfang Dezember 2019 übergibt Verena Villiger Steinhauser, die dem Museum seit 2009 als Direktorin vorstand, den Posten an Ivan Mariano. Der Historiker möchte künftig neben der Bewahrung der Sammlung den Austausch mit den Künsten und der Wissenschaft sowie zwischen den Generationen und Kulturen fördern. Schliesslich übernimmt der Kunsthistoriker Denis Decrausaz ab Dezember 2019 die Leitung des Museum Murten.

Zum Schluss Berichte von aussergewöhnlichen Transporten und ein Blick in die Zukunft: Das Verkehrshaus der Schweiz erregte im März 2019 grosse Aufmerksamkeit mit der spektakulären Überführung eines ausgedienten Rega-Ambulanzjets von Stansstad über den Vierwaldstättersee. Der Jet ist nun Teil der permanenten Ausstellung «Medizinische Hilfe aus der Luft». Per Pneukran und Sattelschlepper wurden Lenkwaffen aus dem Kalten Krieg, Leihgaben der Militärhistorischen Stiftung des Kantons Zug (MHSZ), an ihre Bestimmungsorte, das Landesmuseum und das Museum Burg Zug, transportiert. In die Zukunft blickte das Museum Langmatt: 2017–2019 erarbeitete es gemeinsam mit der Stadt Baden und Heller Enterprises das Projekt «Zukunft Langmatt», um die Finanzierbarkeit der Sanierung des Gebäudes zu klären. Schliesslich organisierte der Dachverband Museen Graubünden im Juni 2019 gemeinsam mit dem Museumsverband Südtirol eine internationale Tagung in Scuol unter dem Titel: «Neue Gäste! Zaubermittel Tourismus, Jugend und Digitalisierung?». Referentinnen und Referenten aus der Schweiz, Italien, Liechtenstein und Österreich machten sich Gedanken, mit welchen Mitteln Museen Interesse wecken, Schwellenangst nehmen und neue Gäste ins Museum bringen können.

Katharina Flieger, Redakteurin Schweizer Museumszeitschrift