Prangins-Dakar: ein erfolgreicher Austausch

Interview von Laure Eynard über den von ICOM Schweiz, ICOM Senegal, ICOM International und Château de Prangins organisierten Studienaufenthalt.

Auf der Terrasse von Schloss Prangins treffen wir Mohamadou Moustapha Dieye, einen Archäologen mit einem Master in Kulturgutverwaltung. Dieser 31-jährige Senegalese, der auf präventive Konservierung spezialisiert ist, arbeitet am Musée Théodore Monod für afrikanische Kunst in Dakar und wurde für einen zweiwöchigen Studienaufenthalt in der Schweiz ausgewählt, ein Pilotprojekt des internationalen Museumsrats (ICOM) und seiner Schweizer Vertretung. Im Gespräch schildert er seine Eindrücke.

Während Ihres Aufenthalts haben Sie einen Eindruck von der musealen Welt der Schweiz erhalten und zahlreiche in diesem Bereich tätige Menschen kennengelernt. Welche Techniken und/oder Kenntnisse haben Sie besonders beeindruckt?

Mich haben die Konservierungstechniken am Sammlungszentrum des Schweizerischen Nationalmuseums in Affoltern am Albis beeindruckt. Bernard Schüle hat mir gezeigt, wie die Uniformen und Fahnen im Compactus aufbewahrt werden. Im Senegal haben wir Metallbehälter, die eher ungeeignet sind. Die Archive im Dakar sind in einem kritischen Zustand, da es weder Restauratoren noch eine angemessene Ausstattung für die präventive Konservierung gibt. Darüber hinaus habe ich Elke Mürau kennengelernt, die mir gezeigt hat, wie Textilien restauriert und behandelt werden und auf welche Art und Weise Stoffe in einem Ausstellungskontext zur Geltung gebracht werden können.

Was tragen Sie zur ständigen Ausstellung Indiennes: bedruckte Baumwollstoffe bei, die für 2020 in Schloss Prangins vorgesehen ist?

Ich werde meine Erfahrung in den Ausstellungsbereich einbringen, der Afrika gewidmet ist, insbesondere der senegalesischen Insel Gorée, die im 16. und 17. Jahrhundert der Angelpunkt des Atlantischen Dreieckshandels war, als die Indiennes als Tauschwährung im Sklavenhandel dienten. Vor meinem Aufenthalt in der Schweiz habe ich der Direktorin Helen Bieri Thomson eine bedeutende Dokumentation zur Verfügung gestellt, die 2018 digitalisierte Datenbank der Textilsammlung des Musée Théodore Monod. Dadurch konnten wir einige Gegenstände aus der Sammlung von Schloss Prangins genauer untersuchen und besser verstehen. Man kann sagen, dass ich auf diese Weise einen anderen Blickwinkel auf das Thema beisteuere. Die Fachleute, die ich kennengelernt habe, waren nie in Afrika. Für mich ergibt sich so auch die Gelegenheit, ihnen von der Museumspolitik und dem Universum der Museen in Afrika zu berichten.

Was hat Ihnen dieser Besuch in der Welt der Schweizer Museen gegeben?

Ich schätze insbesondere die auf die Bedürfnisse des Publikums abgestimmte Gestaltung und die Verwendung von Audioguides und neuer Technologien für die Kulturvermittlung. Wenn ich nach Dakar zurückkehre, würde ich diese Instrumente gerne einführen, sowie auch die Applikation MuseumPlus, um die Verwaltung der Werke zu erleichtern und unsere Forschungs- und Dokumentationsarbeit effizienter zu gestalten. Anlässlich des Besuchs der Sekretärin des ICOM Schweiz und der VMS habe ich alle einfachen und praktischen Publikationen erhalten, die von der Vereinigung für die Mitarbeiter von Museen abgefasst wurden. Ich bin mit einem Koffer gekommen und reise mit einem zweiten Koffer voller Dokumentationen über die Schweizer Museen wieder ab.

Die Welt der afrikanischen Museen ist sehr dynamisch, seitdem 2017 in Kapstadt das Musée Zeitz d’art contemporain und 2018 das Musée des civilisations noires in Dakar eröffnet wurden. Im Jahr 2020 sollen in Benin vier Museen eröffnet werden. Was halten Sie davon?

Die afrikanischen Museen gingen auf die Kolonialzeit zurück und waren in alten Verwaltungsgebäuden oder Residenzen untergebracht, die kaum geeignet für die Konservierung der Sammlungen waren. Auch die heutige Situation, mit der Rückgabe afrikanischer Kulturgüter, trägt zu der Dynamik bei. In Westafrika sprechen alle darüber, nach der Rede des französischen Präsidenten in Burkina Faso im November 2017 und dem Abschluss des Berichts von Savoy und Sarr zu diesem Thema, der im darauf folgenden Jahr publiziert wurde. Die Bevölkerung fühlt sich betroffen und Journalisten und Universitäten organisieren Diskussionen zum Thema. Die Mehrheit der Afrikaner will, dass Frankreich die Kulturgüter zurückgibt, damit sie an die zukünftigen Generationen weitergegeben werden und die Jungen vom Austausch mit internationalen Museen profitieren können, um ihr Wissen über die Konservierung dieser Kunstwerke zu vertiefen.