Jahreskongress der Museen 2026: der Rückblick

Rund 250 Museumsschaffende aus der Schweiz und Liechtenstein trafen sich in Vaduz zum Jahreskongress von VMS und ICOM Schweiz unter dem Leitmotiv «Das Lernende Museum» – zwei inspirierende Tage voller Begegnung und Austausch. Jetzt heisst es: dranbleiben. Ein Rückblick in Text und Bild.

Jahreskongress der Museen 2026: der Rückblick

Wie wird Lernen fester Bestandteil der Betriebskultur? Eine der zentralen Fragen am Jahreskongress der Museen 2026 in Vaduz. Foto: © Djamila Grossman

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Lernen als Haltung

September 2024, Genf. Pascal Hufschmid, Direktor des Internationalen Museums des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds, blättert durch den Gaillard-Bericht zuhanden des Bundes – und findet darin, eher zufällig, den Namen seines eigenen Hauses. Das Entlastungspaket 27, das Sparmassnahmen von rund fünf Milliarden Franken für die Bundesfinanzen vorsieht, mittendrin sein Museum. Fiele der Bundesbeitrag weg, entstünde ein strukturelles Defizit von 800'000 Franken im Jahr. Faktisch: das Ende des Museums. Ohne Vorwarnung.

Dieses Krisenereignis und seine Folgen schilderte Hufschmid vor rund 250 Museumsschaffenden als Keynote-Auftakt zum Jahreskongress von VMS und ICOM Schweiz in Vaduz, der ganz im Zeichen des Lernenden Museums stand. 

Wie rettet man ein Museum? Einerseits mit einer Strategie und einem Argumentarium, warum das Museum für die Schweiz relevant ist. Durch Mobilisierung der Medien und Aktivierung des politischen Netzwerks. Andererseits durch ein Fundament, das im Genfer Museum bereits Jahre zuvor gelegt wurde: eine klare Vision, die vom ganzen Team getragen wird und die in einem Lernprozess gemeinsam erarbeitet wurde. 

Ein solches Fundament, das machten die Keynote und Erfahrungsberichte anderer Museen am Kongress deutlich, wird nicht über Nacht aufgebaut. Es braucht Zeit und Geduld. Dabei entscheidend: zuhören, sich nicht zu viel auf einmal vornehmen, pragmatisch bleiben und auch mal scheitern dürfen.

Die Museen der Zukunft

Sabine Monauni, Regierungschefin-Stellvertreterin des Fürstentums Liechtenstein, eröffnete mit einem Satz, der sich durch den ganzen Kongress zog: «Lernen ist Teil des Alltags, nicht die Ausnahme.» Nach Hufschmids Keynote folgten fünf parallele Workshops – von der lernenden Organisation über das Denken in Zukünften bis hin zu neuen Allianzen zwischen Kultur, Gesundheit und Sozialem. Im Worldcafé erzählten 15 Pilotmuseen – vom Museum der Kulturen Basel bis zum minimuseummürren – ganz konkret, was passiert, wenn ein Lernprozess ins Rollen kommt. Die Pilotmuseen sind jene Museen, die bereits ab Programmstart des Lernenden Museums dabei waren und sich offen dazu bekannten, sich gemeinsam mit ihrem Team auf den Weg zu einer lernenden Organisation zu begeben, in einem geführten Prozess und in einer motivierten Community.

Man sah es den Gesichtern an: Hier wurde nicht nur zugehört, hier wurde etwas in Bewegung gesetzt. Zum Ausklang entwarf Carine Bachmann, Direktorin des Bundesamts für Kultur, anlässlich des 60-jährigen Jubiläum des VMS eine Vision: eine Museumslandschaft im Jahr 2046, in der Kultur selbstverständlicher Teil der demokratischen Infrastruktur ist: «Im Jahr 2046 verfolgt die Schweiz eine integrierte Kulturpolitik.» 

Der zweite Tag rückte die Alltagsfrage stärker ins Zentrum: Wie wird Lernen fester Bestandteil der Betriebskultur? Drei Pilotmuseen berichteten aus ihrer Praxis, Fragen etwa zu Barrierefreiheit und Mitarbeitendenbeteiligung wurden in kleineren Gruppen offen diskutiert. Am Nachmittag wurde gemeinsam reflektiert, welche Unterstützung Museen auf ihrem Weg zu einer lernenden Organisation brauchen, ein gemeinsames Versprechen formuliert und zum Schluss die Geschichte, die wir vom Kongress in unsere Museen nachhause tragen wollen – ein berührender gemeinsamer Ausklang.

Die eigene Institution neu denken

Was bleibt? Neben den vielen Learnings vor allem der Austausch und die vielen Begegnungen: die Offenheit, mit der grosse und kleine Häuser ihre Erfahrungen teilten, das gemeinsame Nachdenken, die neuen Kontakte. Und eine Erkenntnis, die den Kongress auf den Punkt bringt: Als Organisation, Team und Mensch zu lernen, ist kein Projekt, sondern eine Haltung – die eigene Institution immer wieder neu zu denken und von ihren Mitarbeitenden getragen in die Zukunft zu führen.

Ein grosses Dankeschön an alle, die diesen Kongress mit Wissen, Mut und Offenheit mitgestaltet haben. Lernen ist keine Etappe – es ist eine Bewegung, die wir gemeinsam tragen. Und bis spätestens im Mai in Bern!

Hier drei Teilnehmendenrückmeldungen, für die wir uns herzlich bedanken:

«Der VMS hat mit dem Jahreskongress 2026 gezeigt, dass der Verband eine lernende Organisation ist – und mutig ein radikal neues Format getestet.»

«L'organisation dynamique de ce congrès, le côté innovant et audacieux des formats et outils d'apprentissage collectifs, a facilité des échanges vrais, profonds et très créatifs.»

«Selten bin ich so inspiriert von einem Kongress nach Hause gefahren. Das lernende Museum ist das Gegenteil einer elitären Elfenbeinturm-Institution – Offenheit wird zur Grundhaltung. Das wirkt total motivierend.»

Der Ausblick

Wie geht es weiter? Bleiben Sie dran!

  • Ausschreibung «Das Lernende Museum» 2027
    Im ersten Quartal 2027 startet der nächste Rollout des Programms – Community, Werkzeugbox, Coaching und Peer-Austausch inklusive. Sie können sich bereits jetzt unverbindlich melden, wenn Sie dabei sein möchten. Link zum Programm

  • Charta «Das Lernende Museum»
    Die Charta beschreibt Haltungen und Praktiken, die lernende Museen auszeichnen. Sie ist ein Kompass für die Transformation und ein öffentliches Bekenntnis zum gemeinsamen Weg und wurde bereits von über 50 Museen unterzeichnet. Jetzt unterzeichnen

  • Learning Leaders Circle: Ein Peer-Raum für Führungspersonen in Museen, welche die Zukunft des Sektors mitgestalten. Wir suchen Führungspersonen, die Neugier mitbringen – und bereit sind, in vier moderierten virtuellen Calls übers Jahr verteilt darüber zu sprechen, was in der eigenen Institution funktioniert und was nicht.

  • Leadership-Kurs für (neue) Führungskräfte im Museumsektor, in Kooperation mit der ZHAW: fünf Tage, wissenschaftliche Impulse plus Praxis, für Direktor:innen, Stiftungsräte und neue Führungskräfte. 26. Oktober 2026 - 14. Dezember 2026. In deutscher Sprache. Jetzt anmelden

  • 2027 wird der Jahreskongress der Schweizer Museen mit der 50. Jubiläumsausgabe des European Museum of the Year Award (EMYA) sowie dem 19. Internationalen Bodensee-Symposium verbunden, letzteres neu mit Gästen aus Italien und Frankreich. Reservieren Sie sich bereits jetzt das Datum: 25.–30. Mai 2027, Ort: Museumsquartier Bern