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museums.ch

09/2014

Wie lassen sich die zwei grundlegenden Funktionen eines Depots vereinbaren: die

optimale konservatorische Aufbewahrung musealer Sammlungen einerseits und deren

öffentlicher Zugang für ein möglichst breites Publikum andererseits? Diese Frage

steht im Zentrum der folgenden Ausführungen zum Centre de Conservation et de

Ressources (CCR) in Marseille. Das CCR ist neben der Mole J4 und dem Fort

Saint Jean einer von insgesamt drei verschiedenen Standorten des Musée des Civilisa-

tions de l’Europe et de la Méditerranée (MuCEM). Es wurde im Juni 2013

in Marseille eröffnet. Wie haben die Architektin und der Architekt sowie die

Konservatoren diese Frage konzeptionell gelöst? Das gross angelegte Digitalisierungs-

unternehmen, das die Generalrevision der Sammlungen im Zuge des Transfers

von Paris nach Marseille begleitet hat, ist eine wesentliche Voraussetzung für die

verbesserte interne wie externe Nutzung der Bestände. Seit Juni 2013 sind

annähernd 90 Prozent der Bestandsdaten über die Webseite des MuCEM zugänglich.

1

Der Standort

2005 wurde das Musée National des Arts et Traditions Populaires (MNATP),

das staatliche Pariser Volkskundemuseum, geschlossen. Seine Sammlungen, die ge-

genwärtig etwa 80 Prozent des Gesamtbestands des MuCEM repräsentieren, sowie

die Bibliothek wurden als Teil des neuen musealen Projekts in Marseille angesiedelt

(Mazé 2013, S. 177–199). Die zuvor auf verschiedene Standorte verteilten Samm-

lungen des MNATP sind so im CCR zusammengeführt worden. Der Bestand des

MuCEM umfasst insgesamt etwa eine Million Einzelstücke. Das CCR (13 000 m²)

beherbergt das Département des collections et des ressources documentaires sowie

den Sammlungsbestand des MuCEM. Darunter befinden sich etwa 250 000 Objekte,

100 000 Gemälde, Drucke und Zeichnungen, 450 000 Fotografien, annähernd

100 000 Bücher und Zeitschriften, Audio- und Videomaterial sowie das Museums-

archiv (Calafat, Girard 2013; Gourarier 2013, S. 55).

2

Das CCR wurde nach den Entwürfen der Architektin Corinne Vezzoni in

Kooperation mit André Jollivet gebaut. Es liegt im Stadtviertel la Belle de Mai,

unweit des Bahnhofs Saint-Charles und in unmittelbarer Nähe zum Centre inter-

disciplinaire de conservation et de restauration du patrimoine – mit dem eine Zu-

sammenarbeit angestrebt wird – sowie dem Stadtarchiv und dem Kulturzentrum

Friche la Belle de Mai. Primär hat das CCR die konservatorischen Aufgaben des

Museums zu erfüllen. Gleichzeitig gehört die Vermittlung des Kulturerbes an eine

breite Öffentlichkeit zu seinem Auftrag.

3

Diese

beiden wesentlichen Funktionen

widerspiegeln sich in der räumlichen Gestaltung des CCR. Neben dem abgeschlos-

senen Depotbereich (8000 m²) steht eine Fläche von 1400 m² explizit für die öffent-

liche Nutzung zur Verfügung.

Sammlungen zugänglich machen –

Das neue Depot in Marseille

Rendre les collections accessibles –

une nouvelle réserve à Marseille

Anja Früh

Amandine Such