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museums.ch

09/2014

Ab 2015/16 werden die Depots des Museums für Kunst und Geschichte Freiburg

(MAHF) nicht mehr in über dreissig meist ungeeigneten Räumen verzettelt sein.

Nach dem Beschluss von Kantonsregierung und -parlament wird gegenwärtig ein

zentrales Lager (2500 m

2

) eingerichtet, dessen Konservierungsbedingungen den

heutigen Standards entsprechen. Als erste Etappe zur Lösung des Problems inventari-

sierte das MAHF zwischen 2008 und 2013 seinen Gesamtbestand von rund

44 000 Kunstwerken und historischen Objekten neu; der Umfang der Sammlung

erwies sich dabei um ein Drittel höher als ursprünglich geschätzt. Die Sammlung

ist zum grossen Teil autochthon oder bezieht sich anderweitig auf den Kanton

Freiburg; mehrere Ensembles darin sind von internationaler Bedeutung.

Das Museum für Kunst und Geschichte Freiburg (MAHF) sammelt haupt-

sächlich Kunstwerke und historische Gegenstände, die aus dem Kanton Freiburg

stammen oder für ihn wichtig sind. Zahlreiche Objekte innerhalb dieser autochthon

geprägten Sammlung sind von internationaler Bedeutung, so etwa die frühmittel-

alterlichen Gürtelschnallen, das Ostergrab aus dem Kloster Magerau (um 1330), die

Tafelgemälde von Hans Fries und ein grosses Ensemble spätgotischer Skulpturen

(Anfang 16. Jahrhundert), Werke der Künstlerin Marcello, geb. Adèle d’Affry, und

ihrer Freunde (1860–1880) sowie Plastiken von Jean Tinguely und Niki de Saint

Phalle aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

1

Im kantonalen Gesetz, das der

Tätigkeit des MAHF zugrunde liegt, steht: «Das Museum für Kunst und Geschichte

hat zum Zweck: […] die Erstellung des Verzeichnisses seiner Sammlungen und der-

jenigen des Staates und seiner Anstalten sicherzustellen und für deren Sicherheit,

deren Unterhalt und gegebenenfalls deren Restauration zu sorgen […].»

2

Verglichen mit anderen Schweizer Museen handelt es sich um eine Sammlung

mittlerer Grösse: Ende 2013 umfasste sie rund 44 000 Objekte; pro Jahr werden

ungefähr 300 Neueingänge verzeichnet.

3

Bereits in den 1970er-Jahren erkannte der

damalige Restaurator Claude Rossier die Lagerung des Sammlungsgutes und das

Fehlen geeigneter Depoträumlichkeiten als ein schwerwiegendes Problem und si-

gnalisierte sie der Museumsleitung. Ein Lagebericht aus dem Jahr 1991 wurde an

das kantonale Amt für Kultur gerichtet.

4

Drei Vorstösse zum Bau eines Depots für

die Sammlung scheiterten in den neunziger Jahren wegen mangelnder finanzieller

Mittel. Unterdessen versuchte sich das Museum aus eigenen Kräften zu helfen, in-

dem es ungenutzte Räumlichkeiten zu Depotzwecken herrichtete. 2007 belief sich

die Zahl der Lagerräume auf einundzwanzig (heute sind es dreissig). Angesichts der

schwierigen Situation gelangte die Leitung des MAHF zu Beginn jenes Jahres an die

zuständige Staatsrätin Isabelle Chassot. Auf Rat erfahrener Kollegen am Schweize-

rischen Nationalmuseum

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und des Vorstehers des Amtes für Kultur, Gérald Berger,

fügten wir unserem Gesuch ein Dossier bei, in dem wir zeigten, dass wir unseren

Das Projekt «Inventar und

Lagerung» des MAHF

L’opération d’inventaire et

de conservation du MAHF

Verena Villiger

Steinauer