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museums.ch

09/2014

Materielle und immaterielle Zeugnisse aus unserer Lebenswelt für die Nachwelt zu

erhalten und zu pflegen, ist laut dem International Council of Museums (ICOM)

eine der zentralen Aufgaben eines Museums. Dass diese Aufgabe gerade für kleinere

Institutionen nicht immer einfach zu erfüllen ist, gehört zur Erfahrung vieler

Museumsmitarbeitenden. Oft ist der Depotraum knapp, und die Lagerbedingungen

entsprechen nicht den Erfordernissen des Kulturgüterschutzes. Die über Jahrzehnte

angehäuften Sammlungen enthalten längst nicht nur Glanzstücke, sondern hüten

viele Sorgenkinder, von denen man heute kaum mehr weiss, wie und weshalb sie den

Weg ins Museum gefunden haben. Die rasanten gesellschaftlichen Veränderungen

erschweren zudem eine stringente und zukunftsgerichtete Sammlungspflege, die

angesichts schwindender Budgets immer wieder infrage gestellt wird. Wie gehen

Sammlungsverantwortliche mit solchen Situationen um? Wie finden sich sowohl

konzeptionelle als auch praktische Lösungen? Wo hilft optimieren, wo kooperieren,

wo politisieren?

Die von Museen Graubünden organisierte Tagung «Schatzkiste oder Rumpel-

kammer?» vom 4./5. Oktober 2013 in Ilanz stellte diese Fragen.

Zentral oder dezentral? Auf jeden Fall vernetzt

Platzmangel, ungenügende klimatische Bedingungen, ein auslaufender Miet-

vertrag mit anstehendem Räumungstermin – mit diesen und ähnlichen Proble-

men ist manches Museum konfrontiert. Als fruchtbare Strategie für die Zukunft

erweist sich die Vernetzung und Zusammenarbeit von Regionalmuseen, gerade auch

in Sammlungs- und Depotfragen. Zwei Projekte aus dem Vorarlberg (Kulturgüter-

sammlung Walgau, präsentiert von Helmut Schlatter, und Montafoner Museen,

vorgestellt von Michael Kasper) zeigen, wie regionale Museen und Sammlungen

durch Zusammenarbeit und Bündelung der Ressourcen zu einem profilierteren und

professionelleren Auftritt finden können.

Einen ähnlichen und vielversprechenden Weg geht seit Ende der 1970er-Jahre

der Kanton Tessin: Statt eines kantonalen Museums wurde mit dem Centro di

Dialettologia e Etnografia in Bellinzona eine Koordinationsstelle geschaffen, die

nebst der Verwaltung der staatlichen Sammlung die bestehenden regionalen Museen

und Sammlungen im Kanton vernetzt und ihnen ein Restaurierungsatelier, ein Foto-

atelier, eine Stickstoffanlage und eine wissenschaftliche Bibliothek zur Verfügung

stellt. Die weiterführende Idee eines zentralen Depots wurde bisher nicht umgesetzt.

Zum einen würde der Platz im Depot des Centro nicht für alle Sammlungsgüter

reichen, zum andern müssten vorgängig mit den regionalen Partnern Fragen des

Zugangs, der Kosten und der Verantwortung geklärt werden.

Auch der Kanton St. Gallen setzt auf Koordination und Zusammenarbeit unter

den Museen. Nach einer Analyse der Museumslandschaft und der Gründung eines

Sammeln in Zeiten des

Umbruchs

Collectionner dans un

monde en mutation

Luzia Carlen

Stefan Hächler