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museums.ch

09/2014

Die jüngsten Ereignisse im arabischen Raum haben einmal mehr gezeigt, wie Konflikte,

Krisen und Notlagen auch Kulturgüter bedrohen. Mit Finanzhilfen kann der

Bund Projekte Dritter zum Schutz von gefährdeten beweglichen Kulturgütern unter-

stützen. Als erstes Land weltweit plant nun die Schweiz einen sicheren und für

Kulturgüter geeigneten Bergungsort (safe haven). Dieses Depot soll vorübergehend

für besonders gefährdete Kulturgüter aus dem Ausland zur Verfügung stehen.

Der Bund will die Möglichkeiten zum Schutz gefährdeter Kulturgüter erweitern.

Das Bundesamt für Kultur (BAK) kann bereits seit 2005 aufgrund des Kulturgüter-

transfergesetzes Finanzhilfen für «Projekte zum Schutz des beweglichen kulturellen

Erbes» an Dritte, etwa an Museen, ausrichten. «Projekte zur vorübergehenden treu-

händerischen Aufbewahrung von gefährdeten Kulturgütern» können ebenfalls eine

finanzielle Unterstützung vom BAK erhalten.

Mit einer Finanzhilfe des BAK konnte beispielsweise die Unesco im Februar 2013

die erste internationale Kulturgüterschutzkonferenz für Syrien im benachbarten Jor-

danien durchführen. An der Konferenz in Amman nahmen Vertreterinnen und Ver-

treter aus Syrien und den benachbarten Staaten sowie Delegierte von internationa-

len Organisationen und Nichtregierungsorganisationen teil. Die Konferenz diente

der Erarbeitung eines Aktionsplans zur Organisation der Kulturgüterschutzarbeiten

in Syrien. Ebenfalls mit einer Finanzhilfe des BAK wurde im Mai 2007 die Rückfüh-

rung afghanischer Kulturgüter aus der Schweiz in das Nationalmuseum nach Kabul

unterstützt. Während des Afghanistan-Konflikts hatte das von privater Seite her

eigens dafür gegründete Afghanistan-Museum im schweizerischen Bubendorf von

1998 bis 2006 Kulturgüter zum Schutz vor militärischer Zerstörung vorübergehend

aufbewahrt.

Neu sieht der Bund die Schaffung eines sicheren Bergungsorts für besonders

gefährdete Kulturgüter aus dem Ausland vor. Dafür müssen die gesetzlichen Grund-

lagen revidiert werden. Der Bundesrat hat den Entwurf des vollständig revidierten

Kulturgüterschutzgesetzes (E-KGSG) am 13. November 2013 zuhanden des Parla-

ments verabschiedet. Der Nationalrat hat den E-KGSG im März 2014 bereits ein-

stimmig angenommen. Der Ständerat wird den E-KGSG im ersten Semester 2014

als Zweitrat behandeln.

Mit dieser Gesetzesrevision setzt die Schweiz die Haager Konvention zum

Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten

von 1954 und ihre Zusatzproto-

kolle um. Der E-KGSG enthält neben Massnahmen zur Prävention und Schadens-

bewältigung bei bewaffneten Konflikten auch Massnahmen zum Schutz der Kultur-

güter vor natur- und zivilisationsbedingten Katastrophen und Notlagen.

Die Schaffung eines sicheren Bergungsorts für krisengefährdete Kulturgüter

entspricht der humanitären Tradition der Schweiz. Bereits 1939 diente Genf als

Kulturgüter aus Krisengebieten –

Finanzhilfen und Bergungsort

Biens culturels de pays en crise –

aides financières et refuge sécurisé

Benno Widmer