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museums.ch

09/2014

Seit einigen Jahren versuchen die Museumsverantwortlichen die Depotsituation im

Burgdorfer Museum für Völkerkunde zu verbessern. Die teilweise tendenziöse

mediale Berichterstattung war und ist bei diesen Bemühungen wenig hilfreich, wie

die vorliegenden Ausführungen zeigen. Immerhin gibt es hoffnungsvolle Zeichen

für eine gute, langfristige Lösung.

Die über hundertjährige ethnografische Sammlung des Gymnasiums Burgdorf

– mittlerweile umfasst sie etwas über 5000 Objekte – wurde 1998 von der Stadt

Burgdorf an einen Trägerverein übergeben. Grund dafür war die Kantonalisierung

des vormals städtischen Gymnasiums. Der Verein übernahm dabei ein Depot, das

schon beim Bezug Ende der 1980er-Jahre als Provisorium angesehen wurde.

Bis zum Frühling 2013 wurde das Museum von zwei zu je 20 Prozent ange-

stellten Ethnologinnen geleitet. Die Aufgaben des ehrenamtlichen Vereinsvorstands

bestanden vor allem darin, die Kontakte zu den Behörden auf Gemeinde- und

Kantonsebene zu pflegen. Die geplante Veräusserung des Schlosses Burgdorf durch

den Kanton Bern und die damit verbundene Zusammenschliessung der drei unab-

hängigen Museen im Schloss zu einem Mehrspartenmuseum zwang den Träger-

verein Ende 2012, die Arbeitsverhältnisse mit den Kuratorinnen aufzulösen. Seither

wird auch der reguläre Betrieb des Museums durch den ehrenamtlichen Vorstand

aufrechterhalten.

Die Unzulänglichkeit der Depotsituation war den Kuratorinnen und ist dem

Vorstand seit jeher bewusst: Zwar sind die Objekte nach geografischen Kriterien

geordnet, vor Staub und Schmutz geschützt, in Glasschränken gelagert und pro-

blemlos auffindbar – ein Zustand, der bei vielen Museen lange nicht so ideal ist.

Doch höchst bedenklich sind die klimatischen Bedingungen: Das Depot befin-

det sich in einem geräumigen, nicht isolierten Dachstuhl und ist damit extremen

Klimawerten ausgesetzt.

So einfach geht’s leider nicht

Trotz des Ansehens, das das Museum bei den politischen Behörden geniesst, ist

es in den letzten zehn Jahren nicht gelungen, das Depot-Projekt mit einer konserva-

torisch befriedigenden Lösung zu realisieren. Der Trägerverein hat selbst nicht die

Ressourcen, geeignete Depoträume zu erwerben oder zu mieten und dem Museum

zur Verfügung zu stellen. Er ist diesbezüglich auf die Unterstützung der Standortge-

meinde angewiesen. Museale Depoträumlichkeiten stehen jedoch nicht zuoberst auf

der Prioritätenliste einer finanziell klammen Gemeinde.

Erschwerend kommt hinzu, dass Räumlichkeiten, die budgettechnisch bisher

infrage kamen, zeitlich begrenzte Provisorien waren oder minimalen klimatischen

und konservatorischen Anforderungen nicht genügten. So auch bei der gegenwärtig

Vom Problem zum Projekt – Depot im

Museum für Völkerkunde in Burgdorf

Du problème au projet – la réserve du

Museum für Völkerkunde de Burgdorf

Beat Gugger

Richard Kunz