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museums.ch

09/2014

Herausforderungen bei der Erhaltung

audiovisueller Dokumente

Les défis de la conservation des

documents audiovisuels

Christoph Stuehn

Die Medien für Bild und Ton, deren Beginn das Aufkommen der Fotografie um 1830

markiert, stellen die Verantwortlichen für die Erhaltung dieser Kulturgüter vor

besondere Herausforderungen. Der Autor sprach mit Vertreterinnen und Vertretern

von vier bedeutenden nationalen Institutionen im audiovisuellen Bereich:

Martin Gasser, Konservator, Fotostiftung Schweiz (Fotografie), Frédéric Maire,

Direktor, Cinémathèque suisse (Film), Pio Pelizzari, Direktor, Schweizer

Nationalphonothek (Ton), und Françoise Clément, Präsidentin der Fachgruppe

Dokumentation und Archive (D&A), SRG SSR (Ton/Radio/Video/TV). Die vier

befragten nationalen Institutionen beschäftigen sich tagtäglich mit den Themen der

langfristigen Erhaltung von audiovisuellen Dokumenten. Aufgrund knapper finanzi-

eller und personeller Ressourcen müssen Prioritäten gesetzt werden, die mit dem

Grundauftrag der jeweiligen Institution vereinbar sind und den spezifischen Eigen-

schaften der Objekte und Dokumente sowie den Bedürfnissen der verschiedenen

Anspruchsgruppen Rechnung tragen.

Bis zum 18. Jahrhundert können wir für die Überlieferung unserer Kultur-

geschichte weitgehend auf schriftliche Dokumente zurückgreifen. Seit der Entste-

hung der Fotografie vor rund 180 Jahren haben die audiovisuellen Medien unsere

«Geschichtserzählung» revolutioniert. Die neuen Informationstechnologien der

jüngsten Zeit eröffneten schliesslich völlig neue Möglichkeiten und Anforderungen

im Bereich der Langzeiterhaltung, Zugänglichkeit und Vermittlung. So wurde der

Zugang zu unserem audiovisuellen Kulturgut durch die Digitalisierung vielfach erst

ermöglicht. Ein besserer, direkter «Zugang für alle» führt letztlich zu einer Demo-

kratisierung unseres Wissens – eine Vision, die bis vor einigen Jahren in Bezug auf

audiovisuelle Quellen noch undenkbar war.

Die langfristige Erhaltung audiovisueller Dokumente als Kulturgut ist ein kom-

plexes Unterfangen. Einerseits ist die Information (Bild/Ton) anhand von Meta-

daten zu kontextualisieren und – wenn möglich – in ihrem Entstehungs- und

Überlieferungskontext zu beschreiben. Andererseits sind die analogen Trägermedien,

z. B. fotochemische oder optische Träger, unter optimalen Voraussetzungen zu

lagern. Digitale oder digitalisierte Dokumente sind auf «langzeitfähigen IT-

Infrastrukturen» zu sichern, die insbesondere bezüglich Migrationen und Daten-

sicherheit hohe Standards erfüllen. In den Archivräumen sind potenzielle Gefähr-

dungen, die durch Licht, Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen sowie

Verunreinigungen, Naturgewalten, Diebstahl oder Zerstörung verursacht werden

können, so weit wie möglich zu eliminieren. Schliesslich müssen Mittel und Wege

gefunden werden, das audiovisuelle Kulturerbe der Öffentlichkeit, insbesondere

auch der Bildung, Forschung und Wissenschaft, zugänglich zu machen.