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museums.ch

09/2014

durch Verlust, Beschädigung oder Zer-

fall ist die Dokumentation. Dies betrifft

vor allem die Forschungssammlungen,

die nicht in einen musealen Kontext

eingebunden und nicht inventarisiert

sind. Gerade die Inventarisierung von

Objekten übersteigt in der Regel die

zeitlichen und finanziellen Ressourcen

der Sammlungsverantwortlichen. Auch

hier zeigt sich die Notwendigkeit, die

gängige Förderpraxis zu überdenken,

die auf der Annahme beruht, dass For-

schung und Kultur zwei getrennte Berei-

che seien.

Sammlung und

Forschung als

gemeinsame Ressourcen

Die Vernetzung von Fachpersonen

dient gleichzeitig der wissenschaftlichen

Forschung und dem Schutz der Objek-

te. Sammlungen, die erforscht werden,

bleiben «lebendig», auch wenn sie nicht

öffentlich präsentiert werden. Den Mu-

seen stehen neue Forschungsergebnisse

für Ausstellungsprojekte zur Verfügung.

Wie für die Inszenierung und Vermitt-

lung können Museen auf externes Fach-

personal zurückgreifen, und Universitä-

ten und Museen sind in der Lage, sich

auf ihre Kernkompetenzen zu konzen-

trieren: die Universität auf die wissen-

schaftliche Forschung und das Museum

auf die Vermittlung von Wissen sowie

das Bewahren und Ausstellen materi-

eller Objekte. Je komplexer das durch

die Forschung geschaffene Wissen wird,

umso wichtiger ist es, dass die neuen

Erkenntnisse in einer verständlichen

und nachvollziehbaren Weise der Ge-

sellschaft zugänglich gemacht werden.

Forschungsinstitute können ihre Labo-

ratorien, Studienzimmer und Archive

aus praktischen und sicherheitstechni-

schen Gründen nur in limitiertem Mass

der Öffentlichkeit zugänglich machen

und damit keine erlebbare Einblicke in

die Forschung vermitteln. Das macht

wissenschaftliche Forschung in einem

gewissen Sinne ortlos. Das Museum als

öffentlicher Raum und konkreter Ort

hingegen ist seit seiner Entstehung im

19. Jahrhundert ein Schaufenster der

Wissenschaft. Gerade aus der histori-

schen Perspektive wird deutlich, dass

für die Vermittlung von Wissen durch

die Universitäten und die Museen wis-

senschaftliche Forschung und museale

Sammlung gleich wichtig und zentral

sind wie die museologische Forschung

und die wissenschaftliche Sammlung.

Eine Einsicht, die auch in Anbetracht

der gegenwärtigen Situation zur For-

schung im Depot wieder vermehrt ins

Bewusstsein gerufen werden sollte.

anmerkungen

1

Seit dem Jahr 2000 existiert UMAC (University

Museums and Collections) als ein Komitee des

Internationalen Museumsrats ICOM,

http://publicus.culture.hu-berlin.de/umac.

Im darauffolgenden Jahr wurde das europäische

Netzwerk UNIVERSEUM gegründet, welches

sich für die Erhaltung des kulturellen Erbes der

Wissenschaften einsetzt,

http://www.universeum.it

2

vgl. hierzu TE HEESEN Anke und SPARY

Emma C. 2001.

3

Ein Tagungsbericht und weitere Informationen

zur Tagung finden sich online:

http://sammlungen.unibas.ch

4

Weitere Informationen zum Arbeitskreis:

http://www.wissenschaftlichesammlungen.ch

5

Webseite der Koordinierungsstelle für wissen-

schaftliche Universitätssammlungen in Deutschland,

http://www.wissenschaftliche-sammlungen.de

6

Bundesgesetz uber den Schutz der Kulturguter bei

bewaffneten Konflikten. BG 520.3, Art. I.

Bibliografie

FISCHER Roland. 2013. «Kuriositätenkabinette oder

Forschungsbiotope?», in: Horizonte. Wissenschafts-

magazin des Schweizerischen Nationalfonds und der

Akademien Schweiz (Bern), 98, S. 30f.

KRETSCHMANN Carsten. 2006. Räume öffnen

sich. Naturhistorische Museen im Deutschland des

19. Jahrhunderts. Berlin: Akademie Verlag.

LOURENÇO Martha. 2005. Between two worlds:

The distinct nature and contemporary significance of

university museums collections in Europe.

http://webpages.fc.ul.pt/~mclourenco/

(Zugriff:

20. 11. 2012).

TE HEESEN Anke und SPARY Emma C. 2001.

Sammeln als Wissen. Das Sammeln und seine wissen-

schaftsgeschichtliche Bedeutung. Göttingen: Wallstein

Verlag.

WEBER Cornelia. 2012. Universitätssammlungen.

http://www.ieg-ego.eu/de/threads/crossroads/

wissensraeume/cornelia-weber-universitaetssammlungen

(Zugriff: 20. 10. 2012).

Autor:

Flavio Häner, Historiker und Mitarbeiter

im Pharmazie-Historischen Museum der Universität

Basel, arbeitet an einer Dissertation über die

Geschichte der wissenschaftlichen Sammlungen an

der Universität Basel und initiierte 2013 den Arbeits-

kreis Wissenschaftliche Sammlungen Schweiz.

flavio.haener@unibas.ch