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museums.ch

09/2014

Nicht nur Museen, auch Universitäten verfügen über reichhaltige Sammlungen von

Objekten. Viele akademische Disziplinen und Museen sind direkt aus der

wissenschaftlichen Sammlungstätigkeit entstanden. Auch in der aktuellen Forschung

und Lehre sind wissenschaftliche Sammlungen von zentraler Bedeutung. Sie sind

gleichzeitig Forschungsobjekt und Lehrmaterial. Sie bilden die Grundlage für neue

Erkenntnisse, vermitteln Informationen und machen Wissenschaft begreifbar.

Da aber Universitäten keine Museen sind, laufen viele der Sammlungen Gefahr,

in Vergessenheit zu geraten und zu verschwinden. Der im März 2014 gegründete

Arbeitskreis Wissenschaftliche Sammlungen Schweiz setzt sich ein für eine bessere

Erschliessung, Erforschung und Erhaltung der wissenschaftlichen Sammlungen.

Ob in Museen oder an Universitäten, Sammlungen sind für die Wissenschaften

unverzichtbare Forschungseinrichtungen. Von A wie Archäologie bis Z wie Zoo-

logie, in praktisch allen Disziplinen finden sich Sammlungen. Viele dieser Samm-

lungen sind aber nicht öffentlich zugänglich, und ihr konservatorischer Zustand ist

oft bedenklich. Dabei sind sie nicht nur für die wissenschaftliche Forschung von

hohem Wert, sondern auch als Kulturgüter. Während auf internationaler Ebene

bereits zahlreiche Projekte zur Erhaltung und Erschliessung von wissenschaftlichen

Sammlungen existieren, fehlte in der Schweiz bisher eine vergleichbare Initia-

tive.

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Der im Frühjahr 2014 gegründete Arbeitskreis Wissenschaftliche Sammlungen

Schweiz (WSS) hat sich zum Ziel gesetzt, das Bewusstsein für die Bedeutung von

Sammlungen für die Wissenschaft zu fördern und zu zeigen, dass Sammlung und

Forschung untrennbar miteinander verbunden sind.

Depots sind nicht nur Lagerorte für Sammlungsobjekte, sondern auch

Speicher und Archive des Wissens. In den Händen und vor den Augen der For-

schenden verwandeln sich die Objekte in Informationsträger. Durch sie wird Wissen

geschaffen und vermittelt. Bevor ein Objekt in das System einer Sammlung integ-

riert werden kann, wird es bestimmt, verglichen, analysiert, vermessen, dokumen-

tiert, geordnet und beschriftet. Erst dann kann es in den Katalog eingetragen und im

Depot eingeordnet werden. Doch mit ihrer Ankunft im Depot ist die Karriere der

Objekte noch lange nicht beendet. Innerhalb der Sammlungen dienen sie dann als

Untersuchungsgegenstand für weiterführende Forschungen. Zum Beispiel können

Forscherinnen und Forscher Tier- und Pflanzenarten bestimmen, Veränderungen

in der Umwelt und der Natur registrieren, neue chemische Wirkstoffe entdecken

oder historische Ereignisse und Entwicklungen belegen oder in Frage stellen. Der

Blick in die Geschichte der wissenschaftlichen Forschung an den Universitäten und

in die Entwicklung des Sammlungs- und Museumswesens zeigt, dass Sammeln

und Forschen schon immer untrennbar miteinander verbunden waren und es bis

heute sind.

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So haben sich die ersten öffentlichen Museen in der Schweiz, die im

Forschung im Depot –

Wissenschaftliche Sammlungen

Recherche et réserves –

Les collections scientifiques

Flavio Häner