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museums.ch

09/2014

Die Ernüchterung nach

der Euphorie

Der Euphorie der publikumswirk-

samen Museumserweiterungen in den

vergangenen Jahrzehnten folgt die Er-

nüchterung, den Betrieb mit knapper

werdenden Mitteln bei gleichzeitig stei-

genden Energiekosten aufrechterhalten

zu müssen. Mit immer grösser werden-

den Häusern und Sammlungen wird

auch deren Betrieb immer aufwendiger

und teurer. Viele Museen versuchten in

den vergangenen 20 Jahren das Problem

der Unterbringung ihrer Sammlungen

durch neue Zentraldepots zu lösen, um

dezentrale Mietobjekte abzulösen und

die betrieblichen Abläufe wieder zu

optimieren. Dank der um die Jahrtau-

sendwende relativ guten finanziellen

Lage der öffentlichen Hand wurden De-

pots sorglos und im Hinblick auf gross-

zügig prognostizierten Zuwachs geplant

und gebaut, wobei die langfristigen

Betriebskosten in der Planung kaum je

eine Rolle spielten. Wachstum, ange-

messene Grösse, Zusammensetzung und

Qualität der Sammlungen wurden kaum

je hinterfragt. Zu eng werdender Depot-

platz führte stets zur Erschliessung wei-

terer Flächen. Dieses «sorglose Wachs-

tum» ist in vielen Museen zu Ende, und

neue, langfristig angelegte Strategien im

Umgang mit Sammlungen und Ressour-

cen aller Art sind gefragt.

Mut zum Risiko gehört

zur Nachhaltigkeit

Mit zunehmendem Sammlungsum-

fang bildet der eingelagerte und dadurch

nicht permanent sichtbare Bestand einen

immer grösseren Anteil einer Samm-

lung. Bei grossen Institutionen kann der

deponierte Sammlungsbestand zuweilen

über 95 Prozent betragen. Gleichzeitig

sind die verbleibenden ausgestellten

Objekte meistens die Hauptstücke einer

Sammlung, die von Besucherinnen

und Besuchern sowie Ausstellungsma-

cherinnen und -machern immer wieder

gewünscht werden. Daraus ergibt sich,

dass die Nutzungswahrscheinlichkeit

1

deponierter Objekte mit abnehmender

Zentraldepot der Landeshauptstadt München, mit Hinweisschild vom Oktoberfest.

/

Deposito centrale di Monaco di Baviera, con cartello indicatore

dell’Oktoberfest.

© Stadtmuseum München