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Das Publikum trotz Schliessung erreichen und sein Interesse wecken

Tipps vom VMS für eine digitale Museumsaktivität.

Digitales Museum Plateforme10 © Matthieu Gafsou
Plateforme10 © Matthieu Gafsou

Auch wenn sie geschlossen sind, können Museen ihrem Publikum digitale Inhalte vermitteln und auf diese Weise aktiv bleiben. Dank der Digitalisierung können sie neue Zugänge zu den Tätigkeitsbereichen ihrer Institution anbieten: Kulturvermittlung, Forschung, Sammlung und Ausstellung. Der VMS hat ein paar Ideen gesammelt, die wir Ihnen nachfolgend gerne präsentieren möchten.

1. Stellen Sie Ihre Sammlung online

Die Digitalisierung der Sammlung trägt nicht nur dazu bei, ihre museumsinterne Verwaltung zu stärken. Gleichzeitig wird das gemeinsame Kulturerbe auf diese Weise zu einem Gut gemacht, das geteilt und öffentlich zugänglich gemacht wird und zudem mit einem einfachen Klick wiederverwendet werden kann.

Die Webseite museums-online.ch ist ein gemeinsames Portal für die Recherche nach Sammlungsobjekten von Museen, das vom Verband der Museen Schweiz VMS lanciert worden ist. Das Portal macht die Sammlungen für die Öffentlichkeit zugänglich und erlaubt Suchabfragen mit Schlagwörtern.
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2. Bleiben Sie im Kontakt mit Ihrem Publikum

Die Verbreitung von digitalen Inhalten über soziale Netzwerke ermöglicht es, in einen Dialog mit dem Publikum zu treten. Dieses kann reagieren, Wünsche äussern oder auch Fragen stellen. Somit können Sie Ihrem Publikum nahe bleiben oder gar noch näher kommen. Für das Verbreiten von Bildern und Informationen gibt es eine Vielzahl von Social-Media-Plattformen wie etwa Facebook, Instagram, Twitter, YouTube oder auch Pinterest.

Es geht nicht nur darum, während dieser Gesundheitskrise das Interesse eines virtuellen Publikums zu wecken. Wenn diese Personen nämlich bereichernde und spannende Erfahrungen im Internet machen können, dann werden sie die Museen auch physisch besuchen, sobald diese ihre Türen wieder öffnen. Deshalb ist es wichtig, die eigene digitale Strategie langfristig auszurichten und die Verbindungen zwischen dem virtuellen und dem realen Bereich gut vorzubereiten.

a) Wecken Sie das Interesse Ihres Publikums

Spiele, Quiz, Wettbewerbe... Solche Initiativen ermuntern das Publikum, sich mit den Sammlungen und Ausstellungen zu beschäftigen. Hier einige empfehlenswerte Beispiele aus der Praxis:

  • Lassen Sie sich vom Spiel des Museums Langmatt inspirieren: Erraten Sie die Geschichten, die hinter Ihren Werken stecken. Link
  • Organisieren Sie einen Wettbewerb auf Instagram, wie dies das Musée de l’Elysée getan hat. Link
  • Stellen Sie wie das Naturmuseum Solothurn Familienspiele oder Ausmalbilder für Kinder online zur Verfügung. Link
  • Laden Sie Ihr Publikum dazu ein, in die Haut eines Kurators bzw. einer Kuratorin zu schlüpfen und selbst eine Ausstellung zu gestalten. Diese Idee hat das NMB Neues Museum Biel umgesetzt. Link
  • Bitten Sie Ihr Publikum, Familienfotos zu posten, die in Ihrer Einrichtung aufgenommen wurden, um damit ein virtuelles Fotoalbum zu kreieren. Ein kreativer Einfall des Château de Gruyères. Link
  • Integrieren Sie die Erinnerungen Ihres Publikums in Ihre online Sammlung, wie z.B. das Alpine Museum der Schweiz mit seinem Projekt "Fundbüro für Erinnerungen". Link
  • Schlagen Sie Ihrem Publikum kreative Aktivitäten für zu Hause vor, wie z.B. das Musée cantonal des Beaux-Arts. Link
  • Laden Sie Ihr Publikum ein, Geschichte zu schreiben, indem es zu einer zukünftigen Ausstellung beiträgt, wie im Historischen Museum Luzern. Link
  • Starten Sie eine Challenge mit Ihrem Publikum und laden Sie es ein, eines Ihrer Kunstwerke nach seinem Geschmack zu gestalten. Link
  • Lassen Sie sich vom Textilmuseum SG inspirieren, das die Talente von Designern und Stylisten mit einer Palette an kreativen Materialien zur Geltung bringt. Link
  • Bieten Sie Ihrem jungen Publikum Spiele zum Selbstbasteln an, wie zum Beispiel das Museum Appenzell mit seinem kleinen Warenladen und den Artikeln zum Ausschneiden. Link
  • Machen Sie die Beiträge Ihres Publikums zu einem Kunstwerk, wie das Cartoonmuseum, indem Sie einen Künstler die Träume des Publikums zeichnen lassen. Link
  • Lassen Sie Ihr Publikum mit Licht und Schatten spielen, wie das Bourbaki-Panorama. Link

b) Organisieren Sie virtuelle Besuche

Mit Tools wie Facebook oder Instagram Live lassen sich Live-Besuche oder auch Aufzeichnungen von Führungen durch die Sammlungen organisieren. Ausserdem bieten solche virtuellen Besuche auch die Möglichkeit, einen exklusiven Blick hinter die Kulissen eines Museums zu werfen und einzelnen Frauen und Männern statt nur der Institution das Wort zu erteilen. Hier einige empfehlenswerte Beispiele aus der Praxis:

  • Schaffen Sie Partnerschaften mit anderen Museen und organisieren Sie, wie sechs Museen im Aargau, eine virtuelle Konferenz zu einem gemeinsamen Thema. Link
  • Schlagen Sie einen multimedialen Besuch Ihrer Ausstellung vor, wie z.B. im Musée cantonal d’archéologie et d’histoire. Link
  • Präsentieren Sie während 60 Sekunden ein bestimmtes Objekt, wie das Musée International de la Croix-Rouge et du Croissant-Rouge vorschlägt. Link
  • Zeigen Sie die Objekte aus Ihrer Sammlung aus neuartigen Perspektiven, wie z.B. im Historisches Museum Baden. Link
  • Organisieren Sie einen Live-Stream aus einer Ausstellung, wie es die Kommunikatoren des Museums für Kommunikation durchführen. Link
  • Laden Sie wie das Historische Museum Basel zu einem virtuellen 3D-Besuch ein. Link
  • Beleuchten Sie die Herausforderungen Ihrer Arbeit auf spielerische und lustige Weise, so wie das Musée d’histoire naturelle von Neuchâtel. Link
  • Übertragen Sie Vorträge, Treffen oder externe Beiträge. Ein Ansatz, den das Musée international de la réforme verfolgt. Link
  • Konzentrieren Sie sich auf den Gehörsinn Ihres Publikums und gestalten Sie wie das Klingendes Museum Bern eine musikalische Führung. Link
  • Nutzen Sie den direkten Kontakt und organisieren Sie ein Kulturtelefon mit Ihrem Publikum, um über ein Werk zu sprechen, wie es das Kunsthaus Baselland anbietet. Link
  • Geben Sie Ihrem Publikum die Chance, eine Ausstellung zu sehen, die es vielleicht verpasst hat, wie zum Beispiel das Zentrum Paul Klee. Link

c) Erfüllen Sie Ihren pädagogischen Auftrag

Hier einige empfehlenswerte Beispiele aus der Praxis:

  • Stellen Sie den Nutzerinnen und Nutzern Ihr pädagogisches Material zur Verfügung, wie etwa das Landesmuseum mit seinem Projekt Unterricht@home. Link
  • Bieten Sie auch Erwachsenen pädagogische Inhalte an. Eine Idee der Alimentarium Academy. Link
  • Stellen Sie Bastelmaterial für Kinder zur Verfügung. Das macht der Zoo Basel mit seiner Zolli-Werkstatt. Link
  • Lassen Sie Ihr Publikum mitwirken und fordern Sie es dazu auf, sich kreativ mit Kunstwerken auseinanderzusetzen, wie dies das Kunstmuseum St. Gallen vorschlägt. Link
  • Bieten Sie Ihrem Publikum wissenschaftliche Experimente an, die Kinder oder die ganze Familie zu Hause durchführen können. Ein Vorschlag des Musée de la Main. Link
  • Erstellen Sie Rätsel, an denen sich Ihr Publikums den Kopf zerbrechen können, so wie es der Espace des Interventions tut. Link
  • Stellen Sie die Verbindung zwischen der aktuellen Situation und historischen Fakten her, wie z.B. das Château de Nyon, das von seiner Funktion als Gefängnis in der Geschichte erzählt. Link
  • Wenn Sie einen Workshop geplant hatten, können Sie diesen nach wie vor über eine Videokonferenzplattform organisieren, wie es das Historische Museum Olten getan hat. Link

3. Vergessen Sie nicht die Hashtags

Wenn Sie Inhalte auf Twitter, Instagram oder einem Blog verbreiten, können Sie gewisse Begriffe oder Begriffsgruppen mit einem Hashtag versehen. Hashtags ermöglichen es, Inhalte im Internet zu finden, um auf ein bestimmtes Thema zu fokussieren.

In den letzten Tagen, in denen überall auf der Welt Museen geschlossen wurden, sind verschiedene Hashtags aufgetaucht. Hier ein paar Hashtags, die für mehr Sichtbarkeit sorgen: #MuseumsFromHome, #CultureChezVous, #CultureinQuarantine, #MuseumzuHause, #MuseumAndChill, #MuseeChezVous, #laCulturanonsiferma.

Partnerplattformen des VMS

  • Die Plattform Museumslupe ist eine Webseite, auf der rund 100 kinderfreundliche Museen verbunden sind. Sie hat diverse digitale Angebote entwickelt, die in dieser Gesundheitskrise auch für andere Museen von Nutzen sein können. Link
  • Das Musée imaginaire Suisse, ein digitales Museum, hat ein Projekt gestartet, bei dem das Publikum eingeladen wird, eine Geschichte zu einem Objekt der Sammlung zu erzählen. Interessierte Museen können sich an das Team wenden, um an dem Projekt teilzunehmen. Link
  • Die Plattform Museum zu Hause bringt Angebote, Tipps und Ideen, wie das Publikum virtuell und bei sich zu Hause Museen erleben und kulturelle Entdeckungen machen kann. Link
  • Das Team des Schweizer Museumspasses ermutigt die Museen, ihre Schätze online zu präsentieren und möchte sie sichtbar machen. Senden Sie Ihre digitalen Angebote an info@museumspass.ch und das Team kümmert sich um die Verbreitung in den sozialen Netzwerken.

Publikationen, die kostenlos heruntergeladen werden können

  • Standard «Digitale Museumspraxis» vom Verband der Museen der Schweiz. Link
  • Standard «Social Media für Museen» vom Verband der Museen der Schweiz. Link
  • Handbuch über soziale Netzwerke von ICOM International (französisch, englisch). Link
  • Weitere Ideen von ICOM International, um sein Publikum digital zu erreichen (französisch, englisch). Link
  • Weitere Ideen von Europäischen Museen, die NEMO gesammelt hat (englisch). Link